10 Empfehlungen für die Sarkomchirurgie

  • 1. Primäre Exzision nur bei kleinen, oberflächlichen Befunden

    Nur kleine Raum-forderungen bis 3 cm Größe, die direkt unter der Haut liegen und unauffällig sind, dürfen primär entfernt werden.

    Warum?
    Ungeplante Operationen („Whoops-Operationen“) größerer Raumforderungen führen oft dazu, dass Tumoren nicht vollständig entfernt werden, Nachoperationen aufwendiger sind und schlechtere Ergebnisse erzielt werden.

  • 2. Immer präoperative MRT-Bildgebung

    Vor einer geplanten Operation einer über 3cm großen, tief gelegenen Läsion, soll eine MRT-Untersuchung erfolgen.

    Warum?
    Das MRT zeigt die genaue Größe, Lage und Ausdehnung des Tumors. So lässt sich eine Biopsie und eine Operation besser planen und eine unvollständige Resektion vermeiden.

  • 3. Biopsie vor der Operation

    Vor jeder Operation eines Sarkoms ist eine Gewebeprobe (Biopsie) notwendig.

    Warum?
    Nur die Biopsie sichert die Diagnose. Ohne histologische Bestätigung droht das Risiko einer falschen Therapie. Biopsien sind mit sehr geringen Risiken verbunden.

  • 4. Präoperative Vorstellung im Tumorboard

    Alle Sarkomfälle sollen vor einer Operation in einem multidisziplinären Tumorboard vorgestellt werden, in dem mindestens ein/e Sarkom-Expert:in beteiligt ist.

    Warum?
    Sarkome sind komplex. Eine gemeinsame Entscheidung von Chirurgie, Onkologie, Radiologie und Pathologie etc. verbessert die Qualität der Behandlung und die Überlebenschancen.

  • 5. Präoperative Therapie bei Stadium III

    Patient:innen mit lokal fortgeschrittenen Tumoren (sogenanntes Stadium III) sollen vor einer Operation eine neoadjuvante Therapie (z. B. Chemo- oder Strahlentherapie) erhalten.

    Warum?
    Die Vorbehandlung kann Tumoren verkleinern und dadurch die Chancen auf eine vollständige Resektion und den Erhalt von Organen oder Extremitäten erhöhen.

  • 6. Weite R0-Resektion als Standard

    Das Ziel jeder Sarkom-Operation ist eine weite Resektion mit klaren Sicherheitsabständen (R0-Resektion).

    Warum?
    Nur so wird das gesamte Tumorgewebe entfernt. Unvollständige Resektionen verschlechtern die Prognose und erfordern oft belastende Nachoperationen.

  • 7. Extremitätenerhalt anstreben

    Bei Tumoren an Armen oder Beinen soll der Erhalt der Gliedmaßen angestrebt werden.

    Warum?
    Moderne Operationstechniken, kombiniert mit rekonstruktiven Verfahren und multimodaler Therapie, ermöglichen in vielen Fällen eine funktionserhaltende Behandlung. Amputationen sind seltener notwendig, wenn die Leitlinie beachtet wird.

  • 8. Keine systematische Lymphadenektomie ohne Nachweis

    Eine Entfernung von Lymphknoten soll nur erfolgen, wenn ein Befall nachgewiesen ist.

    Warum?
    Anders als bei vielen anderen Krebsarten streuen Sarkome nur selten in Lymphknoten. Eine systematische Entfernung bringt keinen Vorteil, erhöht aber die Risiken der Operation.

  • 9. Präparat mit Fadenmarkierungen versehen

    Das Operationspräparat soll mit Fäden markiert werden, damit Patholog:innen die Schnittränder dreidimensional zuordnen können.

    Warum?
    Die Markierungen ermöglichen eine präzisere Beurteilung des Tumorrands. Nur so können gezielte Nachresektionen erfolgen, falls notwendig.

  • 10. Überweisung nach R1-Resektion

    Wenn ein Tumor nicht vollständig entfernt wurde (R1-Resektion), sollen Patient:innen an ein spezialisiertes Sarkomzentrum überwiesen werden.

    Warum?
    Sarkomzentren verfügen über die Erfahrung und die interdisziplinäre Expertise, um die Nachbehandlung optimal zu planen und die Prognose zu verbessern.